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von Christa Bukovics
Veröffentlich: 25. Juli 2020 (vor 2 Monaten )

Gottesdienst für die Hausgemeinde am 7. Sonntag nach Trinitatis| 26. Juli 2020

Liebe ist: Engel beherbergen

 

Zur Einstimmung:

Dass Gott körperlichen und seelischen Hunger stillt, davon erzählen die Lesungen des 7. Sonntags nach Trinitatis, der aus verschiedenen Perspektiven das Abendmahl beleuchtet. Essen und Trinken, Feiern und Teilen, sowie große Gastfreundschaft gehören zum christlichen Glauben. Jesus nahm die natürlichen Bedürfnisse der Menschen ernst, sättigte Tausende mit fünf Broten und zwei Fischen und saß mit unterschiedlichsten Menschen zu Tisch. Im Abendmahl setzen Christen von Anfang an diese einträchtige Tischgemeinschaft fort und nehmen Zeit vorweg, in der Hunger nach wahrem Leben gestillt sein wird.

 

(Begrüßung und Eröffnung)

Wenn Glocken läuten, rufen sie uns zum Gebet.

Jesus sagt: Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.

Wir sind versammelt. An unterschiedlichen Orten. Im Glauben.

Dazu gebe Gott uns seinen Segen. Amen

 

Wir zünden eine Kerze an.

Wir erinnern uns: Jesus ist das Licht der Welt. Mit Ihm tappen wir nicht im Dunkeln. Bei Ihm gibt es, was unsere Seele dringend braucht: Kraft und Mut für die neue Woche, die vor uns liegt.

 

Epheser 2, 19 (Wochenspruch): So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.

 

Thema:

Wir sitzen am Tisch des Herr. Gott macht uns zu Mitbürgern und Hausgenossen. Wir gehören dorthin – an Gottes Tisch, in sein Haus. An Gottes Tisch wird unser leiblicher und seelischer Hunger gestillt. Als Mitbürger und Hausgenossen Gottes geben wir weiter, was wir empfangen haben: Brot und Gerechtigkeit, Liebe und Hoffnung.

So feiern wir diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

 

Zu Beginn singen wir das Lied 420, 1-5 „Brich mit den Hungrigen dein Brot“.

 

Wir beten mit Worten aus Psalm 107:

Danket dem Herrn; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich. So sollen sagen, die erlöst sind durch den Herrn, die er aus der Not erlöst hat, die er aus den Ländern zusammengebracht hat von Osten und Westen, von Norden und Süden. Die irregingen in der Wüste auf ungebahntem Wege, und fanden keine Stadt, in der sie wohnen konnten, die hungrig und durstig waren und deren Seele verschmachtete, die dann zum Herrn riefen in ihrer Not und er errettete sie aus ihren Ängsten und führte sie den richtigen Weg, dass sie kamen zur Stadt, in der die wohnen konnten: Die sollen dem Herrn danken für seine Güte und für seine Wunder, die er an Menschenkindern tut, dass er sättigt die durstige Seele und die Hungrigen füllt mit Gutem.

(Kyriegebet)

Wir bedenken unsere Armut, unseren Hunger nach Liebe, nach Verständnis und Anerkennung und unsere Unfähigkeit, anderen diesen Hunger zu stillen. Darum bitten wir: Herr, erbarme dich unser!

(Gnadenwort)

Jesus sagt: “ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern, und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.“ Mit allen, die das erfahren, mit allen, die darauf warten, loben wir ihn. AMEN

(Tagesgebet) Wir beten:

Barmherziger Gott, gütiger Vater, zu Mitbürgern und Hausgenossen machst du uns. Du schenkst uns das tägliche Brot und gibst, was wir zum Leben brauchen. Gib uns offene Augen und Herzen, einen wachen Verstand und hilfreiche Hände, damit wir deine Liebe weitergeben in Wort und Tat. Durch Jesus Christus, unseren Bruder, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert in Ewigkeit. AMEN

 

Bibeltexte für den heutigen Tag (zur Auswahl): Altes Testament: 2. Mose 16, 2-3.11-18 Evangelium: Johannes 6, 1-15 Herr, dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege! Halleluja!

 

Wir bekennen unseren christlichen Glauben: Glaubensbekenntnis

 

Wochenlied: 320 1-8 Nun lasst uns Gott, dem Herren

 

(Verkündigung)

(Text lesen oder eine*r in der Hausgemeinschaft liest vor.) Predigtwort: Hebräer 13, 1-3 Bleibt fest in der brüderlichen Liebe. Gastfrei zu sein vergesst nicht; denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt. Denkt an die Gefangenen, als wärt ihr Mitgefangene, und an die Misshandelten, weil auch ihr noch im Leibe lebt.

 

Predigt

I.

Wir alle sehnen uns nach Liebe. Uns ist die Sehnsucht danach in die Wiege gelegt. Ohne Liebe gedeihen wir nicht; ohne sie erscheint vielen Menschen das Leben leer und traurig. – Es ist leicht, Menschen zu lieben, die uns ähnlich sind. Es ist erfüllend, Menschen zu lieben, die uns nahestehen. Und wie prickelnd ist es, Menschen zu lieben, die wir attraktiv finden! Und wunderbar, wenn diese Liebe erwidert wird.

So romantisch geht es in unserem Predigtwort nicht zu! Dort geht es nicht in erster Linie um das Geliebt-Werden. Gemeint ist auch nicht unsere Liebe zu uns nahe stehenden oder sympathischen Menschen. Was wir da hören, klingt eher nach Herausforderungen!

Die erste Herausforderung ist die brüderliche Liebe.

Die zweite Herausforderung ist, dass wir lieben sollen.

Zur ersten Herausforderung: Mit der brüderlichen Liebe ist die Liebe unter den Glaubensgeschwistern gemeint. Und diese gilt besonders den hilflosen, gefangenen und rechtlosen Menschen!

Das ist ein anspruchsvoller Auftrag: Menschen zu lieben, die uns nicht vertraut sind, und die am Rand der Gesellschaft stehen. Manche davon finden wir vielleicht abstoßend oder sie interessieren uns nicht. Manche Menschen passen so gar nicht in unsere Lebenswelt! – Wir müssen jetzt auch nicht aufstehen und jeden umarmen. Die geschwisterliche Liebe zeigt sich, indem wir aufmerksam sind, füreinander Verantwortung übernehmen, mitfühlend und fürsorglich miteinander umgehen. Das ist die erste Herausforderung! Menschen lieben, die uns nicht unbedingt nahestehen.

Die zweite Herausforderung ist, dass wir lieben sollen. So lesen wir:

Bleibt fest in der … Liebe! Gastfrei zu sein, vergesst nicht! … Denkt an die Gefangenen!

Man hört und sieht förmlich die Ausrufezeichen hinter den Aufforderungen. Macht dies! Tut das! – Mögen wir so etwas hören? Es gibt doch schon genügend Anforderungen in unserem Leben und Gemeinde-Alltag. Und jetzt auch noch das! Fremde, Gefangene, Misshandelte sollen wir lieben.

Das ist die zweite Herausforderung! Die geschwisterliche Liebe ist uns aufgetragen – und wir werden dazu ermahnt.

Aber: Liebe kann man doch nicht erzwingen!? Wie kann das funktionieren?

Wer den Hebräerbrief als Ganzes liest, versteht, wie zur geschwisterlichen Liebe motiviert wird: Gutes tun Christen anderen nicht, weil sie Gegenliebe erwarten; Gutes tun sie nicht, weil sie sich unter Druck gesetzt sehen. Gutes tun sie aus der Orientierung an Jesus. Und aus Dankbarkeit für seine Liebe!

II.

Im Hebräerbrief wird dazu ein ganz besonderes Bild von Jesus gezeichnet:

Diese Bild zeigt ihn als Hohepriester. Das Bild stammt aus dem Alten Testament. Heute ist es uns eher fremd. Aber für die Empfänger des Hebräerbriefes war das ein tröstliches und ermutigendes Bild.

Der Hohepriester hatte ein Amt. Nur er durfte ins Allerheiligste des Tempels. Nur er konnte dort Gott Opfer darbringen. Einmal im Jahr wurden so die Sünden des Volkes gesühnt. So stellte er immer wieder aufs Neue für alle Gläubigen die Verbindung mit Gott her. Und genauso wie der Hohepriester im Tempel hat Jesus durch sein Leben und Sterben ein für alle Mal die unverbrüchliche Verbindung der Gläubigen mit Gott hergestellt.

Und der Autor unseres Briefes lädt die Leser dazu ein:

Schaut auf diesen Jesus. Er ist Euer Bruder. Er hat Euch Gott nah gebracht und tut es als himmlischer Hohepriester immer noch.

Holen wir uns dieses fremde Bild noch ein wenig mehr in unsere Nähe. Stellen Sie sich vor: Jesus ist hier in unserer Gemeinde, er ist hier bei uns. Ganz in Ihrer Nähe. Er lächelt uns an und breitet seine Arme aus. Wir spüren: Wir gehören zu ihm, wir gehören zu Gott. Wir gehören wie Geschwister zusammen, weil Gott uns allen nahe ist.

Diese Liebe ist so einladend, so überwältigend, so inspirierend, dass wir einfach nicht anders können als sie weiterzugeben.

Und so ist im Hebräerbrief die geschwisterliche Liebe gar keine Herausforderung, sondern sie geschieht aus Dankbarkeit. Wir Christen sind wie ein Spiegel der Liebe Gottes. Mit unserem Verhalten bilden wir den barmherzigen Hohepriester Jesus ab.

III.

Jesus ist Menschen begegnet, die in den Augen der anderen nicht liebenswert waren: Zöllnern, Sündern, Kranken, Armen. Er ist für alle dagewesen und hält für alle das Heil bereit. Er hat sich zugewendet und ihnen Würde geschenkt. So, dass sie alle – und wir natürlich auch – merken: Wir sind Gott lieb, er ist uns nahe. Wir sind alle aufgehoben in Gottes großen Liebeskreis.

Dadurch sind wir alle schon im Himmel verankert und bilden durch unsere Liebe zu anderen schon ein Stück Himmel ab.

Gastfrei zu sein vergesst nicht – das ist die erste Ermahnung! Wir würden heute sagen: „Seid gastfreundlich!“ In den frühen christlichen Gemeinden galt die Gastfreundschaft v.a. den herumreisenden Missionaren.

Heute sind es eher die großen Fluchtbewegungen, die unsere Gastfreundschaft fordern und manchmal auch herausfordern. Es ist anstrengend, sich mit Menschen zu unterhalten, die kaum Deutsch sprechen. Es ist verunsichernd, sich mit jemandem an einen Tisch zu setzen, den man nicht kennt. Es ärgert uns vielleicht, wenn jemand Fremdes unsere Verhaltensregeln nicht beachtet. Manchmal fällt es schwer, verständnisvoll und geduldig zu sein.

Der Hebräerbrief nennt noch eine besondere Motivation für die Gastfreundschaft: durch sie haben einige schon ohne ihr Wissen Engel beherbergt!

IV.

Denkt an die Gefangenen, als wärt ihr Mitgefangene, und an die Misshandelten, weil auch ihr noch im Leibe lebt – das ist die zweite Ermahnung im Hebräerbrief. Gedacht war hier an die Glaubensgeschwister, die in der antiken Umgebung Beschimpfungen, Unterdrückung, Schläge, Enteignung und auch Haft erleiden mussten.

Weil jemand Christ ist, wird bei uns heute in Deutschland niemand bestraft. Damals aber waren manche Christen gefährdet oder zumindest verachtet – so wie heute in unzählig vielen Ländern dieser Welt. Verachtet sind heute auch die Gefangenen in unseren Haftanstalten. Ihnen Liebe entgegenzubringen, ist schwierig.

Papst Franziskus hat dies gemacht:

1000 Strafgefangene hatte Papst Franziskus nach Rom eingeladen. Und eine Woche später sogar 4500 Obdachlose.

Er stellte sich vor sie und sagte:

„Ihr seid nicht der Rand, sondern die Mitte der Kirche. Durch Euch müssen wir den Weg der Liebe lernen.“ Und weiter sagte er: „Wir alle sind unterwegs auf der staubigen Straße des Lebens. Wir alle machen uns auf dieser Straße die Füße schmutzig.“

Wie sehr sprach Franziskus den Gefangenen aus der Seele! Einigen wusch er dann noch die Füße, als Zeichen, dass der Staub ihres Lebens keine Bedeutung für Gott mehr hat. – Hier wurde etwas heil, was eigentlich so kaputt war: Manchen Gefangenen rannen die Tränen herab.

Freilich, mit Sträflingen haben die wenigsten von uns zu tun, vielleicht eher mit Menschen, die man als „Gefangene im Geist“ bezeichnen könnte: Es gibt auch Menschen, die in ihren Überzeugungen gefangen sind und uns deshalb fremd bleiben! Sie zu lieben erscheint uns dann unmöglich.

Der Kabarettist Maxi Schafroth hat einmal herzlich lächelnd appelliert: „Bleibt beim Miteinander! Vergesst die Empathie nicht! Vergesst die kleinen Leute nicht!“

Noch einmal: Gibt es für uns einen Grund, die zu lieben, die uns eigentlich nicht nahestehen und vielleicht sogar fremd bleiben? – Ja, wir sollen sie so lieben, wie Christus uns geliebt hat! Denn daran werden wir erkannt – als Kinder Gottes!

Wir geben weiter, was wir empfangen haben: die Liebe des barmherzigen Christus.

Amen.

(nach Gedanken von Ulrike Bracks)

 

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, wird eure Herzen und Sinne in Christus Jesus bewahren.

 

Wir antworten auf Gottes Wort und singen:

Lied nach der Predigt: 414, 1-2+4-5 Nun preiset alle Gottes Barmherzigkeit

 

Fürbitten:

Gott, um deine guten Gaben bitten wir dich für uns und alle Menschen. Um die Gabe der Liebe bitten wir für die Einsamen, die keinen Menschen haben, mit dem sie Kummer und Freude teilen. Um die Gabe der Dankbarkeit bitten wir für die, die nehmen und nehmen und alles Gute in ihrem Leben als selbstverständlich betrachten. Um die Gabe der Weisheit und des Verstandes bitten wir für alle, die für Städte und Dörfer, für Kirchen, Firmen oder Armeen wichtige Entscheidungen treffen müssen. Um die Gabe des Brotes bitten wir für alle, die Mängel leiden, denen das Nötigste zum Leben und Überleben fehlt. Um die Gabe der Güte bitten wir für alle, die anderen nicht verzeihen, nicht die Hand reichen. Um die Gabe des Trostes bitten wir für alle, denen das Leben dunkel und schwer geworden ist. Alle guten Gaben kommen von dir, Gott. Darauf vertrauen wir – heute und alle Tage. AMEN

Vaterunser

 

Lied: 163 Unsern Ausgang segne Gott

 

Gehen wir unter Gottes Segen in die neue Woche:

(Hände öffnen und laut sprechen)

Gott segne uns und behüte uns.

Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.

Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden.

Amen

 

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